Wie funktioniert Strahlentherapie bei Tieren?

Die Strahlentherapie ist bei unseren Haus- und Heimtieren noch immer eine vergleichsweise selten angewandte Therapie. Die Strahlen sind nicht sichtbar und entsprechend schwer vorstellbar ist das Grundprinzip dieser Therapie. Wir klären hier die wichtigsten Fragen zu Wirkung, Technik und Ablauf. Diese Informationen können im konkreten Fall ein persönliches Gespräch aber nicht ersetzen. Bei Fragen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Welche Indikationen gibt es für die Strahlentherapie?

Hund sitzt in StallgassePlus
Neben der Behandlung von Krebs wird die Strahlentherapie erfolgreich als Schmerzbestrahlung eingesetzt. Man spricht hier auch von Strahlentherapie bei gutartigen Erkrankungen. Gemeint sind zum Beispiel degenerative Gelenkerkrankungen, chronisch-entzündliche Prozesse in Gelenken oder Arthrose. Solche Schmerzen entstehen zum Beispiel beim Hund langfristig durch Ellbogen-Dysplasie, Hüft-Dysplasie, durch Übergewicht aber auch als normale Abnutzungserscheinung bei alten Tieren.
Hund springt über GrabenPlus

Wie wirkt die Strahlen­therapie?

Physikalisch beruht die Strahlentherapie auf der Anwendung ionisierender Strahlung. Die Strahlung muss also so viel Energie haben, dass einzelne Elektronen aus einem Atom oder Molekül ausgeschlagen werden können. In unserem Fall handelt es sich dabei entweder um hochenergetische Elektronen oder ultraharte Röntgenstrahlung.
Die Ionisationen innerhalb der Zelle führen zu Schäden an der DNA, dem Bauplan einer Zelle. Wenn die Schäden so gravierend sind, dass sie nicht repariert werden können, geht die Zelle zugrunde und das Ziel der Strahlentherapie ist erreicht. Die Zellen und Gewebe werden während der Bestrahlung nicht verbrannt, sie werden nicht einmal warm. Die Gesamtenergie ist so gering, dass eine Erwärmung nicht messbar ist. Daher ist die Strahlentherapie selbst nicht schmerzhaft, für ionisierende Strahlung gibt es gar keine Sinneswahrnehmung. Die Nebenwirkungen können aber, ähnlich wie ein Sonnenbrand, einige Zeit für Schmerzen sorgen. Strahlentherapie darf nicht mit der Anwendung von Lasern oder sichtbarem Licht verwechselt werden. Auch die photodynamische Therapie (PDT) beruht auf einem völlig anderen Prinzip. Der Patient wird bei der Strahlentherapie nicht selbst radioaktiv, es geht danach also keine Gefahr von ihm aus.
Wichtig zu wissen: Nach der Strahlentherapie sind die Patienten nicht radioaktiv. Die Strahlentherapie stellt also keine Gefahrenquelle für den Besitzer beim Umgang mit dem Tier dar. Insbesondere beim Umgang mit Kindern sollten die Tiere aber so lange beobachtet werden, bis die Narkose vollständig abgeklungen ist. PlusPlus
Katze mit Stethoskop

Strahlen­therapie: High­tech für höchste Präzision!

Die ionisierende Strahlung wird bei Equinox Healthcare mit einem Linearbeschleuniger erzeugt. Dieses Bestrahlungsgerät aus der Humanmedizin beschleunigt Elektronen so sehr, dass sie fast Lichtgeschwindigkeit erreichen. Diese hochenergetischen Elektronen können nun direkt für die Strahlentherapie genutzt werden, zum Beispiel bei vielen Hauttumoren des Pferdes.
Werden die Elektronen innerhalb des Beschleunigers in einer Metallplatte wieder abgebremst, entsteht Bremsstrahlung, also ultraharte Röntgenstrahlung. Diese ist physikalisch vergleichbar mit der Strahlung aus einer diagnostischen Röntgenröhre, lediglich die Energie ist etwa einhundertmal höher. Diese sogenannten Photonen dringen tief in das Gewebe ein und werden daher für die Bestrahlung innenliegender Tumoren, zum Beispiel in Nase, Gehirn oder Brustkorb genutzt.
Um mit einem riesigen Bestrahlungsgerät millimetergenau bestrahlen zu können ist viel Planung und moderne Technik erforderlich. Bei der Bestrahlung mittels Elektronen werden häufig individuelle Blenden aus einem Schwermetall gegossen, um den Bestrahlungsbereich einzugrenzen.
Multi Leaf CollimatorPlus

Computer­tomo­graphie und Patienten­lagerung

Die Leistungsfähigkeit eines modernen Bestrahlungsgerätes kann nur voll ausgeschöpft werden, wenn der Patient genau und reproduzierbar gelagert wird. Hierfür werden für jeden Patienten individuelle Lagerungshilfen angefertigt. Bei Equinox Healthcare setzen wir unter anderem Vakuummatratzen, also formstabile Kissen und Gebissabdrücke zur Lagerung ein. Viele Hilfsmittel gibt es so gar nicht zu kaufen. Wir lassen sie entweder passgenau fertigen oder bauen sie in unserer Werkstatt selbst.
Die Lagerungshilfen fertigen wir gleich zu Beginn für jeden Patienten, noch bevor die Computertomographie zur Bestrahlungsplanung durchgeführt wird. Um sicherzustellen, dass am Ende auch alles zusammen passt hat unser Computertomograph den gleichen Patiententisch wie das Bestrahlungsgerät. Die Lagerungshilfen können also einfach und passgenau auf beiden Systemen befestigt werden.
Die patientenindividuellen Lagerungsmaterialien, gleich ob Vakuummatratze, Gebissabdruck, Blenden oder Zusatzstrukturen, bleiben solange unverändert, wie der Patient strahlentherapeutisch behandelt wird. PlusPlus
Beißkeil und Vakuummatratze zur Lagerung eines Hundes

Bestrahlungsplanung bei Hund und Katze

Konturieren eines Patienten (Katze)Plus

Bio­logische Strahlen­wirkung

Durch ionisierende Strahlung werden Schäden in den bestrahlten Zellen gesetzt. Ionisationsprozesse entstehen zwar überall in der Zelle, biologisch relevant sind sie aber nur im Bereich der DNA, die für die Zellteilung wichtig ist. Die Struktur der DNA kann gestört werden, die Stränge können brechen oder die DNA lagert sich an andere Strukturen an. Diese Schäden können in vielen Fällen repariert werden, nur wenige führen wirklich zum Absterben der Zellen. Genau diese Eigenschaft machen wir uns auch in der Strahlentherapie zunutze. Die Fähigkeit zur Reparatur ist nämlich bei gesunden Zellen viel besser ausgebildet als bei Tumorzellen. Wir teilen daher die Gesamtdosis in kleine Portionen, sogenannte Fraktionen, die wir im Abstand von ein bis sieben Tagen einstrahlen. In der Zeit zwischen den Fraktionen können sich die gesunden Zellen reparieren, während die Tumorzellen Schäden akkumulieren. Für die geschädigten Tumorzellen werden die Defekte in der DNA bei einer der nächsten Zellteilungen zum Problem und sie treten in einen strukturierten Zelltod ein. Die Zellen platzen also nicht einfach sondern werden von körpereigenen Funktionen recycelt.
DNA Schäden und deren ReparaturPlus
Wie schnell ein Tumor auf die Strahlentherapie reagiert ist abhängig von den Ursprungszellen, von denen er ausgeht. Einige Tumoren werden bereits unter Strahlentherapie deutlich kleiner, andere benötigen für eine Reaktion mehrere Monate. Bei palliativer Bestrahlung haben wir zum Teil das Ziel, das weitere Wachstum des Tumors aufzuhalten oder zu verlangsamen und die Schmerzen zu reduzieren. Das passende Protokoll für eine Bestrahlung hängt im Wesentlichen von der Indikation, also von dem Tumor selbst ab. Wir unterscheiden grundsätzlich definitive Protokolle von palliativen Protokollen.

Definitive Protokolle haben die bestmögliche Tumorkontrolle über einen möglichst langen Zeitraum zum Ziel. Sie haben relativ viele Fraktionen mit einer moderaten Einzeldosis.

Palliative Protokolle dagegen sollen die Lebensqualität des Patienten steigern, ohne eine längere Belastung darzustellen. Hier setzt man in der Regel auf wenige Fraktionen mit hoher Einzeldosis.

Wo möglich nutzen wir zur Auswahl der Protokolle wissenschaftliche Studien. Allerdings ist in der Tiermedizin nicht zu jedem Tumor bei jeder Spezies eine adäquate Veröffentlichung verfügbar. Gerade beim Pferd fehlt es hier noch an großen Studien zu den meisten Tumoren. In diesen Fällen greifen wir auf Wissen von anderen Tierarten, aus der Humanmedizin und auf unsere Erfahrungswerte zurück. Die Therapiemöglichkeiten und das eingesetzte Protokoll müssen in diesen Fällen individuell besprochen werden. Auch die Frage, ob ein palliatives oder ein definitives Protokoll gewählt werden soll ist eine individuelle Entscheidung. Allerdings ist es nicht möglich, die Therapie an die individuelle Reaktion des Tumors anzupassen. Bei kleinen Tumoren sind nicht zwangsläufig weniger Fraktionen nötig als bei großen Tumoren. Im Gegenteil erfolgt die adjuvante Strahlentherapie nach makroskopisch vollständiger Tumorentfernung häufig in sehr vielen Fraktionen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Equinox

Equinox Healthcare GmbH
Strahlentherapiezentrum für Pferde und Kleintiere
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